Speisekarte gestalten: Übersichtlich, appetitlich und rechtssicher
Von Kevin Knabe · · aktualisiert am · 8 Min. Lesezeit
Eine gute Speisekarte ist übersichtlich gegliedert, beschreibt Gerichte ehrlich, nennt Endpreise und Allergene vollständig und steht online als Text statt nur als PDF. Sie ist das Dokument, das fast jeder Gast in die Hand nimmt oder vorher online liest, und sie entscheidet mit, was bestellt wird und wie lange Gäste überlegen. Hier lesen Sie, wie Sie dorthin kommen, was Sie bei Allergenen und Preisen beachten müssen und worauf Sie bei der Online-Version achten sollten.
Was muss eine gute Speisekarte leisten?
Sie hilft Gästen, schnell das Richtige zu finden, lenkt den Blick auf das, was Sie gern verkaufen, und enthält alle Pflichtangaben – sie ist Orientierung, Visitenkarte und Rechtsdokument in einem.
Vor dem Gestalten helfen drei Fragen:
- Wer sind Ihre Gäste: Familien, Mittagsgäste, Paare, Touristen?
- Was soll ins Auge fallen: Spezialitäten, Tagesgerichte, Menüs?
- Wo wird die Karte gelesen: am Tisch, am Eingang, auf dem Handy?
Wie viele Gerichte und welcher Aufbau sind richtig?
Wenige, gut gewählte Gerichte pro Rubrik lesen sich besser als eine lange Karte; gegliedert wird nach dem Ablauf eines Essens.
Lange Karten überfordern. Gäste brauchen dann länger, bestellen unsicherer, und die Küche muss mehr vorhalten. Ein paar Grundregeln:
- Gliedern Sie nach dem Ablauf eines Essens: Vorspeisen, Suppen, Salate, Hauptgerichte, Beilagen, Desserts, Getränke
- Pro Rubrik reichen oft wenige, gut gewählte Gerichte. Streichen Sie, was selten bestellt wird
- Eigene Rubriken für Mittagstisch, Kinderkarte oder Vegetarisches machen die Suche leichter
- Setzen Sie Ihre Spezialitäten bewusst in Szene, etwa mit einer eigenen Rubrik oder einem dezenten Rahmen. Zu viele Hervorhebungen heben sich gegenseitig auf
- Gerichte, die Sie gern verkaufen, gehören an gut lesbare Stellen, nicht ans Seitenende
Wie beschreibe ich Gerichte, ohne zu übertreiben?
Nennen Sie kurz und konkret, was im Gericht steckt und was es besonders macht – und schreiben Sie nur, was stimmt.
Der Name nennt das Gericht, die Beschreibung die wichtigsten Zutaten und die Zubereitung. Schreiben Sie so, wie Sie dem Gast das Gericht am Tisch erklären würden.
- Nennen Sie, was drin ist und was besonders ist, etwa die Herkunft einer Zutat oder die Art der Zubereitung
- Bei Fachbegriffen oder Gerichten aus anderen Küchen eine kurze Erklärung ergänzen
- Keine Angaben, die nicht stimmen: „hausgemacht“, „frisch“ oder „regional“ nur, wenn es zutrifft
- Beilagen und Größen klar nennen: Was ist im Preis enthalten, was kostet extra?
Welche Preisangaben gehören auf die Karte?
Alle Preise sind Endpreise inklusive Mehrwertsteuer und Bedienung, bei Getränken gehört die Füllmenge dazu, und das Preisverzeichnis muss für Gäste gut sichtbar sein, bevor sie sich setzen.
Gäste müssen den Preis ohne Rechnen erkennen – das ist auch eine Rechtsfrage. Gut sichtbar heißt zum Beispiel: am Eingang oder im Schaufenster.
- Alle Preise inklusive Mehrwertsteuer, denn Endverbraucher sehen keine Netto-Preise
- Bei Getränken die Menge angeben, zum Beispiel 0,3 l oder 0,5 l
- Zuschläge und Extras offen nennen, etwa für Beilagenwechsel oder Brot
- Einheitliche Schreibweise für alle Preise, damit der Blick nicht stolpert
- Auf lange Punktreihen zwischen Gericht und Preis verzichten: Sie wirken altmodisch und erschweren das Lesen
Dieser Abschnitt ist Orientierung, keine Rechtsberatung. Bei Unsicherheit fragen Sie die zuständige Behörde oder Ihren Verband.
Welche Allergene und Zusatzstoffe muss ich angeben?
Anzugeben sind die 14 Hauptallergene, wenn sie in Ihren Speisen und Getränken enthalten sind, außerdem verwendete Zusatzstoffe; bei offen angebotenen Speisen darf die Auskunft mündlich erfolgen, wenn ein sichtbarer Hinweis darauf besteht und die Angaben schriftlich festgehalten sind.
Gäste mit Allergien oder Unverträglichkeiten müssen sich auf Ihre Angaben verlassen können. Zu den 14 Hauptallergenen zählen unter anderem glutenhaltiges Getreide, Milch, Eier, Fisch, Krebstiere, Erdnüsse, Schalenfrüchte, Soja, Sellerie, Senf, Sesam und Sulfite.
Mündliche Auskunft heißt: Es muss gut sichtbar auf der Karte oder am Aushang stehen, dass Gäste danach fragen können. Die Angaben müssen schriftlich festgehalten sein, damit sie bei Personalwechsel und Kontrollen vorliegen.
- Legen Sie für jedes Gericht fest, welche Allergene enthalten sind. Das geht nur über die tatsächliche Rezeptur, nicht aus dem Gedächtnis
- Aktualisieren Sie die Angaben, sobald sich Rezept oder Lieferant ändern
- Kennzeichnen Sie Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker oder Süßungsmittel, wenn sie verwendet werden
- Schulen Sie Ihr Team, damit alle bei Fragen dieselbe Auskunft geben
- Versprechen Sie „glutenfrei“ oder „ohne Nüsse“ nur, wenn Sie Kreuzkontakt in der Küche wirklich vermeiden können
Auch hier gilt: Orientierung, keine Rechtsberatung. Verbindliche Auskünfte gibt Ihre Lebensmittelüberwachung vor Ort.
Welche Pflichtangaben gehören auf die Karte? Der Überblick
Preise, Füllmengen, Allergene, Zusatzstoffe und wahre Beschreibungen gehören auf die Karte – hier die Anforderungen im Überblick.
| Angabe | Das müssen Sie beachten |
|---|---|
| Preise | Endpreise inklusive Mehrwertsteuer und Bedienung; Preisverzeichnis gut sichtbar, bevor Gäste sich setzen, zum Beispiel am Eingang |
| Getränke | Füllmenge neben dem Preis, zum Beispiel 0,3 l oder 0,5 l |
| Allergene | 14 Hauptallergene angeben, wenn enthalten; schriftlich oder – mit gut sichtbarem Hinweis – mündlich, die Angaben müssen schriftlich festgehalten sein |
| Zusatzstoffe | Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker oder Süßungsmittel kennzeichnen, wenn sie verwendet werden |
| Beschreibungen | Nur Angaben, die stimmen: „hausgemacht“, „frisch“ oder „regional“ nur, wenn es zutrifft |
Orientierung, keine Rechtsberatung. Verbindliche Auskünfte gibt Ihre Lebensmittelüberwachung vor Ort.
Wie wird die Karte gut lesbar?
Größere Schrift, hoher Kontrast, höchstens zwei Schriftarten und genug Weißraum machen eine Karte für Gäste jeden Alters lesbar.
Eine Karte wird oft bei gedämpftem Licht gelesen. Niemand sollte die Augen zusammenkneifen müssen.
- Schriftgröße lieber etwas größer als zu klein, besonders bei Preisen
- Hoher Kontrast: dunkle Schrift auf hellem Grund ist am sichersten. Helle Schrift auf dunklem Grund braucht gutes Licht
- Höchstens zwei Schriftarten: eine für Überschriften, eine für den Text
- Genug Weißraum zwischen den Gerichten, damit die Karte nicht gedrängt wirkt
- Hervorhebungen sparsam: fett für den Namen, normal für die Beschreibung
- Symbole für „vegetarisch“, „vegan“ oder „scharf“ einheitlich einsetzen und mit kurzer Legende erklären
Gehören Fotos auf die Speisekarte?
Ja, wenn es echte, gut gemachte Fotos Ihrer eigenen Gerichte sind; wenige ehrliche Bilder wirken besser als viele Stockfotos.
Fotos können Appetit machen, wirken aber schnell billig, wenn sie nicht zum Lokal passen. Setzen Sie Bilder ein, dann echte und gut gemachte von Ihren eigenen Gerichten.
Fotos, die nicht so auf dem Teller landen, führen zu Enttäuschung und Beschwerden.
Die Karte online: als Text oder als PDF?
Als Text auf Ihrer Website; ein PDF ist nur als zusätzlicher Download zum Ausdrucken sinnvoll.
Viele Gäste lesen die Karte vorab auf dem Handy. Ein großes PDF, das langsam lädt und zum Zoomen zwingt, verärgert sie und ist für Suchmaschinen schwer lesbar.
- Stellen Sie die Karte als Text auf Ihre Website, nach Rubriken gegliedert und mit Preisen
- Ein zusätzliches PDF ist als Download zum Ausdrucken sinnvoll, nicht als einzige Version
- Halten Sie Online-Karte, Aushang und Google-Profil auf demselben Stand
- Nennen Sie auch online die Hinweise zu Allergenen und Zusatzstoffen
- Ein „Stand“-Datum zeigt Gästen, dass die Karte aktuell ist
Wie oft sollte ich die Karte aktualisieren?
Mindestens einmal pro Saison und immer, wenn sich Preise, Gerichte oder Lieferanten ändern.
Preise ändern sich, Gerichte wechseln, Zutaten sind ausverkauft. Eine veraltete Karte führt zu unangenehmen Gesprächen am Tisch.
- Legen Sie einen festen Termin zur Prüfung fest, zum Beispiel zum Saisonwechsel
- Wechselnde Gerichte lieber auf einer Tafel oder einem Einleger führen, statt die ganze Karte neu zu drucken
- Bei Preisänderungen Karte vor Ort, Website und Google-Profil gleichzeitig anpassen
- Lassen Sie alles vor dem Druck von einer zweiten Person gegenlesen: Rechtschreibung, Preise, Allergene
- Alte Karten konsequent aus dem Umlauf nehmen
Welche Fehler machen Wirte bei der Speisekarte am häufigsten?
Am häufigsten sind zu viele Gerichte ohne Struktur, fehlende Allergen- und Zusatzstoffangaben, unklare Preise und eine zu kleine Schrift.
- Zu viele Gerichte und zu wenig Struktur
- Keine oder unvollständige Allergen- und Zusatzstoffangaben
- Preise ohne Mehrwertsteuer oder Getränke ohne Mengenangabe
- Schrift zu klein oder Kontrast zu schwach
- Beschreibungen, die mehr versprechen, als der Teller hält
- Online nur als großes Foto oder PDF
- Unterschiedliche Preise und Gerichte auf Karte, Website und Google-Profil
- Rechtschreibfehler und veraltete Angaben
Häufige Fragen
Wie viele Gerichte sollte eine Speisekarte haben?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist, dass Gäste schnell etwas finden und die Küche alles in guter Qualität liefern kann. Streichen Sie lieber Gerichte, die selten bestellt werden, als die Karte weiter zu füllen.
Muss ich Allergene schriftlich auf die Karte schreiben?
Bei offen angebotenen Speisen darf die Auskunft auch mündlich erfolgen. Dann muss aber gut sichtbar auf der Karte oder am Aushang stehen, dass Gäste danach fragen können, und die Angaben müssen schriftlich festgehalten sein. Viele Lokale kennzeichnen sie trotzdem direkt bei den Gerichten, weil das Gästen und Team die Arbeit erleichtert.
Darf ich „hausgemacht“ auf die Karte schreiben?
Nur, wenn es stimmt. Fertigprodukte als „hausgemacht“ zu bezeichnen, kann als Irreführung gelten und zu Abmahnungen führen. Beschreiben Sie lieber genau, was Sie selbst zubereiten.
Reicht ein PDF auf der Website?
Ein PDF kann ergänzen, sollte aber nicht die einzige Version sein. Auf dem Handy ist es oft mühsam zu lesen und für Suchmaschinen schlecht zugänglich. Besser ist die Karte als Text auf der Seite, zusätzlich als PDF zum Herunterladen.
Wie oft sollte ich die Karte überarbeiten?
Mindestens einmal pro Saison und immer, wenn sich Preise, Rezepte oder Lieferanten ändern. Prüfen Sie dabei auch die Allergen- und Zusatzstoffangaben.
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